Tief zerklüftete Schluchten und steile Felswände ragen vor meinen Augen auf. Eine bizarre Kulisse, geformt durch längst vergangene vulkanische Aktivitäten und geschaffen in über Millionen von Jahren, liegt vor mir. Nahezu unbezwingbar wirkt die Szenerie. Kleine Häuser ducken sich an die Berghänge. Im Hintergrund schimmert der Ozean tiefblau. Am Küstensaum ragen mächtige Klippen empor und dort, wo das Gebirge sanft zum Atlantik abfällt, schmiegen sich bezaubernde Orte direkt ans Wasser.

Ich bin auf La Gomera angekommen. Fasziniert wandert mein Blick über diese wilde und ursprüngliche Umgebung. „Wo sollen hier nur Wanderwege sein?“ frage ich mich immer wieder. Alles scheint rau und undurchdringlich, bis auf die serpentinenreichen Straßen, die sich über die Berghänge schlängeln und auf denen hin und wieder ein Auto fährt. „Also gut“, denke ich, und lasse mich auf das Abenteuer, die Highlights von La Gomera zu erwandern, ein. Immerhin habe ich ja einen erfahrenen Bergführer an meiner Seite, der wird schon wissen, wo sich hier die schönsten Wanderungen auf La Gomera verstecken. Ich muss mich ausnahmsweise mal um nichts kümmern und lasse einfach alles auf mich zukommen. Ungewohnt aber schön.

In diesem Beitrag nehme ich dich mit auf die kanarische Insel La Gomera und zeige dir, dass sich ein Wanderurlaub hier mehr als lohnt. Zwischen eindrucksvollen Schluchten, spektakulären Felsformationen und geheimnisvollen Nebelwäldern zeige ich dir 6 Wanderungen. Dazu gibt es praktische Tipps für deine nächste Urlaubsplanung.

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La Gomera – die wilde und ursprüngliche Kanareninsel

La Gomera ist die zweitkleinste der kanarischen Inseln. Ihr Durchmesser beträgt gerade einmal 25 Kilometer. Doch wer glaubt, schnell vom einen Ende ans andere zu kommen, der irrt gewaltig. Durch die zerfurchte Landschaft winden sich Straßen und Wanderwege in engen Serpentinen auf und ab. Mit mal eben auf die andere Seite ist es hier nicht getan.

  • La Gomera zählt neben Teneriffa, Fuerteventura, Lanzarote, Gran Canaria, La Palma und El Hierro zu den kanarischen Inseln. Die Inselgruppe liegt etwa 320 Kilometer von der afrikanischen Küste und 1300 Kilometer von der spanischen Küste entfernt.
  • Auf der Insel herrscht ein angenehmes Klima. Die jährliche Durchschnittstemperatur beträgt 22 Grad Celsius.
  • La Gomera ist wie alle kanarischen Inseln vulkanischen Ursprungs und tiefe Schluchten, die sogenannten Barrancos, durchziehen die Insel sternförmig von den zentralen Hochlagen bis an die Küste.
  • Unterschiedliche Vegetationszonen prägen das Bild der Insel und zaubern spannende Kontraste. Ein besonderes Naturjuwel ist der Garajonay-Nationalpark, der 1986 zum UNSECO-Weltnaturerbe erklärt wurde. Seit 2012 ist die gesamte Insel ein Biosphärenreservat.

Diese kleine Insel bietet ein enormes Potenzial für Entdecker, Naturliebhaber und Individualisten. Hierher verirrt sich nur, wer das Ursprüngliche sucht, die wilde Natur liebt und lieber abseits der ausgetretenen Touristenpfade unterwegs ist.

Wandern auf La Gomera – zwischen Vulkanbergen, Nebelwald und Atlantik

Als meine Tochter und ich am Freitagabend auf La Gomera ankommen, ist es schon dunkel. Die Hauptstadt der Insel San Sebastián de la Gomera empfängt uns mit sanftem Lichterglanz und die warme Abendluft streift über unsere Haut. Welch atemberaubender Anblick uns darüber hinaus hier erwartet, erfahren wir erst am nächsten Morgen, nach einem ausgiebigen Frühstück im Hotel.

Um 8:45 Uhr treffen wir unseren Bergführer Alfred von ASI Reisen und die anderen unserer Wandergruppe, die die gleiche Reise „La Gomeras Highlights erwandern“* gebucht haben. Vorfreude auf die kommende Woche liegt merklich in der Luft. Die Rucksäcke sind gepackt, die Wanderschuhe geschnürt und nach einer kurzen Vorstellungsrunde geht es zu Ester, die uns in den nächsten Tagen mit dem Bus über die Insel shuttelt. Und während wir zum ersten Ausgangspunkt in die Berge hinauffahren, betrachte ich fast ungläubig die Welt, die sich vor uns auftut.

Dramatische Schluchten, surreale Felsformationen, geziert von Palmen, Kakteen und anderen spannenden Gewächsen heben sich von dem im Hintergrund glitzernden und immer kleiner werdenden Atlantik ab. Und irgendwo wartet sogar ein mystischer Nebelwald auf uns, so verspricht es jedenfalls die Broschüre zu unserer Wanderreise. Ich bin gespannt.

Die Highlights von La Gomera erwandern – unsere sechs Touren

Insgesamt 6 Touren haben wir zum Wandern auf La Gomera geplant. Fünf davon sind geführt, eine sechste erwandern wir individuell am letzten Tag. Heute gibt es erstmal ein Warm-Up zum Akklimatisieren.

1. Roque de Agando – imposante Vulkanfelsen und grandiose Aussichten

7,5 Kilometer und etwa 550 Höhenmeter liegen vor uns. Ziel ist das Wahrzeichen der Insel, der Roque de Agando. Der 1.251 Meter hohe Felsen ist ein uralter, erodierter Vulkanschlot. Die Phonolit-Säule zählt zu den „Monumentos de los Roques“ und ist der imposanteste der insgesamt 5 steinernen Riesen.

Doch starten wir am Anfang unserer Wanderung in Ayamosa. Perfekt zum Einwandern beginnt der Weg mit einem sanften Anstieg durch die wilde Inselvegetation. Wandern unter Palmen, ich kann es gar nicht glauben. Das geht noch nicht so richtig in meinen Kopf. Vor lauter Begeisterung piekse ich mich beim Fotografieren erstmal an einer dieser überdimensionalen Agavengewächse. Autsch. Da heißt es besser hingucken. Gleiches gilt für den Boden, denn der ist steinig und holprig. Wir folgen dem Wegweiser des GR131, auch bekannt als Camino Natural Cumbres de La Gomera. Der Fernwanderweg verläuft, unter anderem, einmal quer über die Insel. So weit geht es heute aber nicht.

Vom Aussichtspunkt Mirador de La Tortuga etwas unterhalb des Pico Gomero schauen wir ins benachbarte Tal und Alfred zeigt auf einen gegenüberliegenden Berg mit steil abfallender Flanke. „Da gehen wir auch noch hoch“ meint er und ich versuche erstmal nicht daran zu denken.

Später gewinnt unser Weg an Steigung und wir wandern zu dem bereits sichtbaren Funkturm hinauf. Anschließend erwartet uns ein abenteuerlicher Wegabschnitt. Kurz geht es bergab, dann folgen wir einem Pfad über den nach rechts steil abfallenden Hang. Ein massives Holzgeländer verleiht mir ein sicheres Gefühl und ich genieße das Spektakel. Der spannendste Teil ist geschafft. Danach geht es moderater weiter bis zur Ermita des las Nieves, einem angelegten Picknickplatz. Wir legen eine Pause ein, bevor wir das letzte Stück bis zum Roque de Agando wandern und dabei noch ein Teilstück des Lorbeerwalds streifen.

Der Roque de Agando versteckt sich bei unserer Ankunft allerdings erstmal in den Passatwolken. Diese Wolken entstehen, wenn feuchte Passatwinde aus Nordost auf die Berge La Gomeras treffen. Sie versorgen besonders den Nationalpark Garajonay mit Feuchtigkeit, weshalb es hier ringsherum auch ganz wunderbar grün ist.

Ester wartet hier bereits mit dem Bus auf uns und chauffiert und als Nächstes Richtung Mittagessen ins Restaurant El Méson de Clemente in Alajeró. Alleine wäre ich wohl niemals darauf gekommen, hier einzukehren. Ein Hoch auf unseren Guide, der mit den örtlichen Lokalitäten bestens vertraut ist. Es gibt köstlichen Fisch und dazu die landestypischen Papas arrugadas mit Mojo rojo und Mojo verde als Hauptgericht. Die kleinen Kartoffeln mit der salzigen Kruste und den leckeren Dips werden uns zu den unterschiedlichen Gerichten in den kommenden Tagen traditionell begleiten und sie sind einfach mega lecker, genauso wie der Rest drumherum.

Mit vollem Bauch geht es bequem mit dem Bus nach San Sebastián zurück, wo wir den Tag individuell ausklingen lassen.

Exkurs: Fernwandern auf La Gomera – GR 131 und GR 132

La Gomera verfügt über zwei Fernwanderwege, den GR 131 und den GR 132. Der GR131 ist der Camino Natural Cumbres de La Gomera. Der Weg führt in 2 anspruchsvollen Etappen über 45 Kilometer quer durch die Insel. Der GR132 ist der Camino Natural Costas de La Gomera. Der Küstenrundweg verläuft mit seinen etwa 6 Etappen und bis zu 140 Kilometern einmal rund um die Insel. Von beiden Wegen werden wir auch im Rahmen unserer Reise immer wieder Teilstücke erwandern. Wer also von beiden das Beste erleben möchte, dem empfehle ich unsere Touren.

2. Quer über die Insel – durch wilde Täler bis ans Meer nach Valle Gran Rey

Unser zweiter Wandertag entführt uns ins Tal des großen Königs, das Valle Gran Rey. Der Ort selbst ist ein beliebter Ferienort. Auf dem Weg dorthin wandern wir jedoch weitestgehend einsam durch eine vielfältige Landschaft, begegnen lustigen Ziegen, treffen auf eine schottisch anmutende Hochebene und steigen in vielen Serpentinen mit Blick auf den Atlantik ins Tal ab. Eins sei versprochen, es wird wieder sehr spektakulär auf den 7,5 Kilometern mit 100 Höhenmetern bergauf und 800 Höhenmetern bergab entlang des GR132.

Ester bringt uns mit dem Bus zum Ausgangspunkt nach Arure. Am Rande des kleinen Dorfes beginnt unser Wanderweg. Mächtige Felsformationen und Schluchten liegen vor uns. Wir wandern vorbei an spektakulären Abgründen und ich bin froh, dass der Weg hier angenehm breit ist.

Die Aussicht ist fantastisch. Unter uns liegt der tiefblaue Atlantik und bildet einen eindrucksvollen Farbkontrast zu den schroffen, dunklen Felsen. Nach einer Weile wird der Weg schmaler und naturnaher. Mal blicken wir rechts in die Tiefe, dann links. Am steilen Hang entdecken wir ein eingezäuntes Ziegengehege. Kurz darauf passieren wir eine ehemalige Ziegenhöhle im Fels.

Dann erreichen wir ein wunderschönes Hochplateau. Grün liegen die weitläufigen Wiesen vor uns. Die erkennbaren Terrassen wurden vor vielen Jahren für den Anbau von Getreide genutzt. Im Hintergrund erkennen wir eine Ruine und irgendwie muss ich an James Bond und Spectre denken. Der Anblick hat etwas schottische Magie. Am höchsten Punkt legen wir eine Pause ein und genießen das Panorama.

Frisch gestärkt wandern wir weiter und queren diese einzigartige Kulisse. Zu allen Seiten fallen die Hänge fast senkrecht ab und ich frage mich, wie wir hier runterkommen sollen. Alfred erläutert derweil Wissenswertes zum Getreideanbau und den hier auffälligen Überresten von Gebäuden und Anlagen. Schließlich erreichen wir den Rand der Ebene und finden einen Serpentinenweg, der uns in endlosen Schleifen über 700 Höhenmeter ins Tal führt. Die Sonne brennt. Andere Wanderer kommen uns entgegen und ich bin froh, dass ich ab- und nicht aufsteigen muss. Die Luft ist warm und je tiefer wir kommen, desto heißer wird es.

Als wir den Ort erreichen, wartet Ester schon auf uns und fährt uns erst zu einem kurzen Zwischenstopp an den Strand, später zum Mittag ins Restaurante El Puerte. Die kalte Minestrone ist herrlich erfrischend. Danach gibt es frischen Fisch und die obligatorischen Kartoffeln. Ein Gofio-Nachtisch rundet das Essen ab.

Der restliche Tag steht dann wieder jedem individuell zur Verfügung.

3. Garajonay und Fortaleza – vom höchsten Gipfel zum mächtigen Tafelberg

Am dritten Tag auf La Gomera warten gleich zwei Gipfel darauf, von uns erklommen zu werden. Der Garajonay, im gleichnamigen Nationalpark, ist mit 1.482 Metern der höchste Gipfel von La Gomera. Der Fortaleza de Chipude ist ein Tafelberg und schon von weithin sichtbar. Für die Ureinwohner La Gomeras war er eine bedeutende Kultstätte. Seine Flanken fallen zu allen Seiten steil ab. Wird das heute eine Kletterpartie?

Wir starten am Wanderparkplatz Pajarito. Vor uns liegt wieder der GR131, von dem wir heute gute 9,5 Kilometer und 350 Höhenmeter bergauf sowie 630 Höhenmeter bergab unter die Wanderschuhe nehmen. Bis zum Alto de Garajonay sind es gerade einmal 900 Meter Strecke, aber die haben es in sich. Wir tauchen in den Lorbeerwald ein und steigen immer wieder über urige Stufen bergauf. Mitunter scheinen sie kein Ende zu nehmen. Der Wald spendet angenehmen Schatten.

Wir machen noch einen Abstecher zu einem Aussichtspunkt und erklimmen anschließend den Gipfel. Oben genießen wir ein grandioses 360 Grad Panorama. Leider ist es sehr diesig, so dass wir kaum Fernsicht haben. Dafür liegt uns der Lorbeerwald zu Füßen. Dichtes Grün hüllt uns zu allen Seiten ein und wirkt wie ein undurchdringlicher Urwald. Was für ein Naturschauspiel.

Nach den ersten Höhenmetern wird es nun beschaulicher und ein gemütlicher Wanderweg verläuft mit moderatem Gefälle durch die entzückende Landschaft. Wir passieren das Dorf Igualero, bestaunen den dortigen Weinanbau und folgen später einem naturnahen Pfad über den steil abfallenden Hang. Kanadische Kiefern säumen den Weg, der immer breit genug ist und in einem sicheren Abstand an den Abhängen vorbeiführt.

Wir steuern dem nächsten Gipfel, dem Fortaleza entgegen. Ehrfürchtig blicke ich auf die senkrecht aufsteigenden Felswände. Ein kleiner Pfad schlängelt sich darauf zu, dann ist seine Fortsetzung nicht mehr erkennbar. Alfred fragt noch, wer Schwierigkeiten mit der Höhe hat und ich gebe es zu, während meine Tochter sich schon auf die Kletterpartie freut. Doch dank unseres tollen ASI Guides, der mich immer wieder ermutigt und mir Sicherheit gibt, schaffe ich es hinauf und stehe schließlich stolz am Gipfel. Das hat sogar richtig Spaß gemacht. Juhuuuu.

Auf dem Plateau des Tafelbergs drehen wir noch eine Runde und staunen über das Panorama, wenngleich es heute auch etwas wolkenverhangen ist. In weiter Ferne scheint die Silhouette von La Palma über dem Ozean zu schweben. Anschließend steigen wir ab und erreichen kurz danach den Weiler Pavón, wo uns Ester schon erwartet und ins nahegelegene Chipude fährt. Im Restaurant von Sonia gibt es wieder köstliche kanarische Küche und alle sind glücklich. Besonders die Brunnenkressesuppe mit der traditionellen Zutat Gofio ist mein Highlight.

4. Die grüne Lunge La Gomeras – wandern durch den geheimnisvollen Nebelwald

Der Lorbeerwald La Gomeras befindet sich in dem rund 4000 Hektar Fläche umfassenden Nationalpark Garajonay. Er gilt als größter Reichtum der Insel, da er in dieser Art nur noch an wenigen Orten auf der Welt zu finden ist. Der urwaldähnliche Wald wird auch gerne als Nebelwald bezeichnet. Wenn die Passatwolken über die Bergketten ziehen und die Vegetation in wabernde Nebelschwaden einhüllt, fühlt sich die Atmosphäre wahrhaft geheimnisvoll an und kann zuweilen auch unheimlich anmuten.

Heute geht es am Wanderparkplatz El Contadero los. Uns erwarten 9,5 Kilometer durch den Dschungel La Gomeras, wobei wir überwiegend gemütlich bergab wandern. Immerhin 900 Höhenmeter sind es auf der Strecke hinab und 160 bergauf. Das verspricht entspannt zu werden, aber warten wir’s ab.

Kaum aus dem Bus ausgestiegen, befinden wir uns im tiefsten Dschungel. Urwüchsige Bäume krümmen sich über den Weg. Stämme und Äste strecken sich wild in alle Himmelsrichtungen. Dichtes Moos hängt von den Zweigen und wickelt sich um die Gehölze. Farne und Gräser bedecken den Waldboden. Immer wieder bleiben wir bewundernd stehen, während unser Wanderführer Alfred von ASI anschaulich die Naturphänomene erklärt.

Wir treffen auf den Barranco del Cedro, einen Bach, der sich seinen Weg durch die faszinierende Umgebung bahnt. Ein wahres Highlight, denn Wasserläufe gibt es auf der Insel nur wenige. An der Ermita Nuestra Señora de Lourdes, einer hübschen weißen Waldkapelle, machen wir eine Pause. Die kleine Kapelle zu Ehren der Jungfrau von Lourdes entstand 1935 auf Initiative einer englischen Gouvernante, die ihren Bau mit viel Hartnäckigkeit bei den örtlichen Behörden durchsetzte.

Kurz bevor wir anschließend El Cedro erreichen, zieht der Nebel auf und taucht die Umgebung in ein mystisches Licht. Nun macht der Nebelwald seinem Beinamen alle Ehren. Hinter der Ortschaft wird es dann nochmal richtig spannend. Ein steiler, steiniger Pfad verläuft im Zick-Zack-Kurs in die El-Cedro-Schlucht hinein.

Unser Wanderführer Alfred mahnt uns noch zur Vorsicht auf dem Weg und in einer Kehre nicht zu weit außen zu gehen. Der Pfad ist schlüpfrig und führt an einem senkrechtem Abgrund vorbei. Der Nebel hüllt jedoch alles ein und ich bin froh, die Tiefe nicht zu sehen. Nun leider versteckt sich dadurch wenig später aber auch La Gomeras höchster Wasserfall, der El Chorro, mit einer Fallhöhe zwischen 150 bis 200 Metern vor unseren Augen.

Eine Entschädigung ist die kleine Fallstufe, die wir finden, als wir langsam den Talboden erreichen. Ein Stauteich ist ebenso in dichten Nebel gehüllt und kaum erkennbar. Dafür bestaunen wir aber noch die Staumauer und das darüber rinnende Wasser. Auf der anderen Seite der Schlucht steigen wir über Treppen bergauf und wandern bald weiter talauswärts, bis wir eine Straße erreichen. Wie gewohnt holt Ester uns ab und nun geht es zum Essen nach Hermigua ins Restaurante Las Chacaras. Es gibt wahlweise traditionellen Ziegeneintopf oder frischen Thunfisch und davor einen Salat aus frischem Gemüse und Früchten. Wow, das ist so ziemlich das kulinarische Wochenhighlight.

5. Über spektakuläre Berggrate nach San Sebastián – meine schönste Wanderung auf La Gomera

Mein Wanderhighlight ereilt mich am nächsten Tag. Es ist unsere letzte geführte Tour mit unserem Guide auf La Gomera. Alfred hat schon am ersten Tag auf diese Tour hingewiesen und ich erwarte sie mit ziemlicher Spannung, da ich mir den Verlauf des Weges nicht so recht vorstellen kann. Mein Blick auf die Karte sieht zwar machbar aus, aber als ich die felsige Kulisse vor Ort sehe, wird mir fast schwindelig. Aber Alfred ist dabei. Was kann da schon passieren?!

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Der Titel der Tour lautet Höhenblicke und Berggrate im Süden. Mit über 10 Kilometern ist das die längste Wanderung dieser Woche auf dem GR 132. 320 Höhenmeter bergauf und 730 bergab bis zurück zu unserem Hotel in San Sebastián sind angegeben. Na dann mal los. Ein letztes Mal fährt uns Ester zum Ausgangspunkt und ich habe die ehrenvolle Aufgabe, mich auf Spanisch bei ihr im Namen der Gruppe für den sicheren und zuverlässigen Transport in den letzten Tagen zu bedanken.

Gut gelaunt starten wir dann bergauf. Rundherum Panorama, wohin das Auge blickt. Wir stapfen durch eine faszinierende Kulisse, die von Weitem karg ausgesehen hat, aus der Nähe betrachtet, aber immer wieder mit einer einzigartigen Flora beeindruckt. Die Hänge sind deutlich grüner, als sie von Ferne her wirken.

Nach mehreren Serpentinen erreichen wir den ersten Grat und blicken ins benachbarte Tal. Dann folgen wir dem Pfad über den Hang und entdecken oberhalb ein Felsentor. Immer wieder eröffnen sich neue Perspektiven und beeindruckende Kontraste zwischen dem schroffen Gelände und der urwüchsigen Vegetation. Der Bergrücken wird breiter und gegenüber blicken wir auf eine fast schwarze Felswand. Im Hintergrund schimmert der Teide auf Teneriffa durch die Wolken. Alfred erzählt, dass auf dem mächtigen Berg vor uns, eine über 80-jährige Frau mit ihren Ziegen wohnt. Wie sie da wohl hinaufkommt? Wir werden es erfahren und nähern uns Stück für Stück der eindrucksvollen Felskulisse.

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Gratwanderung La Gomera
Gratwanderung La Gomera
gratwanderung la gomera
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gratwanderung la gomera

Kurz schwenkt unser Weg nach links und ich denke noch „Glück gehabt, wir müssen den steilen Hang nicht lang“ über dessen Querung ich mir schon so manchen Gedanken gemacht habe. Aber dann geht es doch wieder in die Gegenrichtung und ich sehe, dass wir den Hang bereits unbemerkt ein Stück erklommen haben. Und ganz so steil wie es bisher aussah, ist es dann doch nicht. Na ja, nur ein bisschen. Mit meiner Halbschwindelfreiheit schaffe ich es hoch zum nächsten Grat unerwartet gut. Unterwegs erkennen wir auch den Zuweg und das Häuschen der alten Dame.

Nach diesem spannenden Abschnitt heißt es erstmal Pause, bevor es ausgeruht weitergeht. Das Landschaftsbild verändert sich und ich komme mir vor wie am Grand Canyon. Der Untergrund leuchtet rot. Palmen, Kakteen und Wolfsmilchgewächse schaffen eine unfassbare Atmosphäre und ich kann mich gar nicht sattsehen.

Gratwanderung La Gomera
Gratwanderung La Gomera

Wir erklimmen noch eine letzte Anhöhe und Foto um Foto landet auf den Speicherkarten meines iPhones und meiner Kamera. Allein mit dieser Tour könnte ich im Detail einen ganzen Blogbeitrag füllen. Mit einzigartigen Ausblicken geht es zuletzt bergab in Richtung San Sebastián, wo wir wieder unser Hotel erreichen. Wir machen uns kurz frisch und gehen anschließend ein letztes Mal gemeinsam im Städtchen bei Las Laureles lecker essen. Es gibt hervorragende Pimientos de Padrón, spanische grüne Bratpaprika und frischen Fisch sowie abermals einen köstlichen Nachtisch. An Köstlichkeiten mangelt es auf dieser Reise wahrlich nicht und so manches Mal denke ich mir, alleine hätte ich diese tollen Lokalitäten vermutlich nicht entdeckt.

6. Auf dem GR 132 nach El Cabrito – zu einem versteckten Paradies am Meer

Es ist kaum zu fassen, wie schnell die Tage auf La Gomera verfliegen. Schon ist unser letzter Tag angebrochen und eine letzte Abschlusswanderung mit Badevergnügen lassen wir uns nicht nehmen. Da wir noch gar nicht so richtig an der Küste entlang gewandert sind, zieht es uns auf den GR 132. Von hier aus wandern wir Richtung El Cabrito bis zum Playa de la Guancha.

kuestenwanderung la gomera header

Gut 10 Kilometer und je 400 Höhenmeter auf und ab liegen vor uns. Dieses Mal geht es hin und zurück auf dem gleichen Weg. Bei der traumhaften Aussicht auf den Atlantik und die Steilküste La Gomeras ist das nicht schlimm, zumal wir am Ziel eine richtig schöne Badepause einlegen wollen.

Vom Strand in San Sebastián haben wir den Aussichtspunkt Mirador del Cristo bereits gesehen. Etwas unterhalb befindet sich ein urtümliches Holzkreuz. Und da geht es zunächst hinauf. Die Stadt lassen wir schnell hinter uns und steigen den Hang hinauf. Dann schlängelt sich der Weg immer im sicheren Abstand an der Steilküste entlang. Manchmal macht er einen Schwenk um eine Schlucht und führt wieder hinaus. Zuletzt wandern wir einen steilen, gut zum Abhang gesicherten Pfad hinab zum Playa de la Guancha.

Wandern auf La Gomera
Wandern auf La Gomera
Playa de la Guancha Baden La Gomera
Playa de la Guancha Baden La Gomera
Playa de la Guancha Baden La Gomera

Ein paar Segelboote schunkeln auf dem Wasser in der einsam gelegenen Bucht. Die Brandung rauscht ans Ufer und weiße Schaumkrönchen hüpfen auf den Wellen. Der Strand ist ein Naturbadestrand und überwiegend steinig. Ein paar sandige Bereiche gibt es jedoch trotzdem. Nur einzelne Badegäste verirren sich hierher, so wie wir. Schnell schlüpfe ich in meine Badesachen und springe ins angenehm temperierte Wasser. Nach der Wanderung eine absolute Wohltat. Es ist so herrlich ruhig am Playa de la Guancha, da könnte ich ewig bleiben.

Doch irgendwann machen wir uns auf den Rückweg und nehmen dazu den Weg, den wir gekommen sind. So findet unser letzter Tag auf La Gomera ein wunderbares Finale.

Hinweis: Die Tour bis El Cabrito mit Bootstransfer auf dem Rückweg wird ab 2027 die erste Wanderung auf dieser Reise ersetzen. Ich persönlich könnte mich ja nicht entscheiden, welche Tour schöner ist. Der Roque de Agando wird dir aber keinesfalls entgehen, denn beim Busfahren auf der Insel sind wir hier regelmäßig vorbeigekommen.

San Sebastián de La Gomera | Charmante Inselhauptstadt mit traumhaften Aussichten

Neben den wilden Berglandschaften und tiefen Schluchten hat La Gomera auch charmante Orte zu bieten. Einer davon ist die Hauptstadt der Insel, San Sebastián. Hier haben wir während unserer Reise unser Basecamp im Hotel Torre del Conde aufgeschlagen.

Wandern auf La Gomera

Das Hotel punktet weniger mit zusätzlichen Annehmlichkeiten wie Pool oder Wellnessbereich, dafür aber mit modernen Zimmern, leckerem Essen und ausgesprochen freundlichem Personal. Durch die zentrale Lage im Herzen der Stadt ist es ein idealer Ausgangspunkt für zusätzliche, individuelle Aktivitäten.

Wir sind nach dem Wandern immer gerne durch das bunte Städtchen geschlendert, an der Hafenpromenade entlang flaniert oder am Strand gewesen. Alles ist fußläufig in knapper Entfernung. Auch ein SPAR-Markt ist gleich nebenan, wo es günstig Trinkwasser für die Wanderflasche gibt. Das Leitungswasser auf La Gomera eignet sich nämlich nicht als Wanderproviant.

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Praktisch ist auch die Anreise, da die Fähre nicht weit entfernt ist und keine zusätzlichen Transporte von und zu einem Hotel im Inselinneren anfallen. Insgesamt also eine echte Empfehlung.

La Gomera kulinarisch entdecken | Kanarische Spezialitäten und besondere Einkehrmöglichkeiten

Während unserer Wanderungen auf La Gomera haben wir die Vielfalt der kanarischen Küche kennengelernt. Ich muss zugeben, ohne unseren ortskundigen Reiseführer wäre ich wohl kaum auf die kleinen, landestypischen Restaurants mit ihren regionalen Spezialitäten gekommen. Wahrscheinlich hätte ich mich auch gar nicht so recht an unbekanntes Essen herangetraut. So aber haben wir nicht nur die schönsten Wanderungen La Gomeras erkundet, sondern auch liebevoll geführte Lokale.

Da gab es die bereits erwähnten Papas arrugadas (Kartoffeln mit Salzruste), Pimientos de Padrón (spanische grüne Bratpaprika), Brunnenkressesuppe mit Gofio, eine wirklich leckere Minestrone (ich habe noch nie sooo eine leckere kalte Suppe gegessen), jede Menge frischen Fisch, aber auch Huhn, Kaninchen und Ziege. Die kanarische Küche ist mega kreativ und lecker. Also trau dich, wenn du mal auf La Gomera bist und probier dich durch. Regionales Essen gehört doch irgendwie zu so einem besonderen Urlaub dazu.

Essen auf La Gomera
Essen auf La Gomera Fisch
Essen auf La Gomera
Essen auf La Gomera Mojo
Essen auf La Gomera Minestrone
Essen auf La Gomera Gofio Nachtisch

Gemeinsam unterwegs | die Vorteile einer geführten Wanderreise auf La Gomera

Nach 8 Tagen hieß es für uns leider schon wieder Abschied nehmen von La Gomera. Es war meine erste geführte Wanderreise. Normalerweise bin ich individuell auf Reisen und plane sowohl meine eigenen als auch meine geführten Wanderungen selbst. Dieses Mal war es anders und ich habe mich einem geführten Wanderurlaub in einer Gruppe mit fremden Menschen angeschlossen und mein Vertrauen in einen anderen Wanderführer gelegt. Das war ungewohnt, aber ich würde es jederzeit wieder machen. Warum?

wanderreise la gomera

Eine geführte Wanderreise ist ein Rundum-Sorglos-Paket für einen entspannten Urlaub, vor allem, wenn es auf neues Terrain geht. Schön fand ich, mich um rein gar nichts kümmern zu müssen.

Meine Reiseunterlagen von ASI Reisen kamen etwa 14 Tage vor Start des Urlaubs an. So konnte ich mich mit dem Verlauf bereits im Vorfeld vertraut machen. Damit waren alle Infos zu An- und Abreise sowie die Infos zu den einzelnen Tagen in übersichtlicher und kompakter Form vorhanden, ohne dass ich mir selbst alles zusammenstellen musste.

Vor Ort war alles perfekt durchorganisiert. Angefangen vom Transport von der Fähre zum Hotel und zurück bis zu unseren Busfahrten mit Ester zu den Ausgangspunkten unserer Wanderungen, den Restaurants und zurück. Unser Guide Alfred hatte zu jeder Zeit alles im Griff. Er hat die tollen Einkehrmöglichkeiten koordiniert, uns sicher über die Wanderwege geführt und jede Tour mit zahlreichen Infos bereichert.

Abends konnte jeder machen, was er wollte oder sich auch dann nochmal Alfred anschließen, um den Tag in einem der gemütlichen Lokale ausklingen zu lassen.

Von meiner Seite kann ich so einen geführten Wanderurlaub mit ASI Reisen zu 100% empfehlen. Wenn du gerne Gesellschaft hast, dich alleine nicht traust, gerne mehr über die Region und landestypischen Highlights erfahren willst, dir keine Gedanken um Planung und Koordination machen, sondern einfach entspannt urlauben willst, dann buche jetzt hier:

Praktische Tipps für deinen Wanderurlaub und zum Wandern auf La Gomera

Anreise nach La Gomera

Die Anreise erfolgt am einfachsten über den Flughafen Teneriffa Süd. Vom Hafen Los Cristianos erreichst du San Sebastián de La Gomera mit der Fähre in etwa 50 Minuten.

Beste Reisezeit zum Wandern

La Gomera ist ganzjährig ein attraktives Wanderziel. Besonders angenehm sind die Monate Oktober bis Mai, während es im Sommer vor allem im Süden ziemlich heiß werden kann.

Wetter und Klima

Die klimatischen Unterschiede auf La Gomera sind enorm: Während im Süden die Sonne scheint, können die höheren Lagen und der Norden in dichte Passatwolken gehüllt sein. Entsprechend unterschiedlich können die Temperaturen ausfallen.

Wanderausrüstung

Feste Wanderschuhe mit gutem Profil, Wanderstöcke und wetterfeste Kleidung gehören unbedingt ins Gepäck. Denke außerdem an ausreichend Trinkwasser und Sonnenschutz.

Für wen eignet sich eine Wanderreise auf La Gomera?

Wer gerne wandert, eine gute Grundkondition mitbringt und auf steinigen Wegen trittsicher unterwegs ist, wird La Gomera lieben. Eine geführte Gruppenreise eignet sich sowohl für Alleinreisende als auch für Paare und erfahrene Wanderer, die die Insel gemeinsam entdecken möchten.

Geführte Wanderungen La Gomera

Häufige Fragen zum Wandern auf La Gomera

Roques de La Gomera

Mein Fazit – gemeinsam wandern auf La Gomera

La Gomera hat mich mit seiner unglaublichen landschaftlichen Vielfalt wirklich begeistert. Von geheimnisvollen Nebelwäldern über tief zerklüftete Schluchten bis hin zu den spektakulären Berggraten im Süden war jede unserer Wanderungen auf ihre eigene Weise besonders.

Aber auch die gemeinsamen Erlebnisse in unserer Wandergruppe, die vielen spannenden Geschichten über die Insel und die kulinarischen Entdeckungen haben diese Reise für mich unvergesslich gemacht. Die Kombination aus Wandern, Natur, Kultur und Gemeinschaft hat mir unglaublich gut gefallen.

Wer La Gomera zu Fuß entdecken möchte, dem kann ich diese Wanderreise wirklich ans Herz legen.

In diesem Sinne, bleib gesund und wanderfreudig, deine Dina

Die Ausgangspunkte der hier gewanderten Touren findest du auch im Borderherz Outdoortrails Tourenportal.

Und falls dich diese Reise interessiert, dann findest du hier die aktuellen Informationen und Termine bei ASI Reisen „La Gomeras Highlights erwandern“*.

Transparenzhinweis: Diese Reise fand im Rahmen einer Kooperation mit ASI Reisen statt. Meine persönlichen Eindrücke, Erfahrungen und Empfehlungen bleiben davon unbeeinflusst und geben ausschließlich meine eigene Meinung wieder.

Zuletzt vor Ort: 23.10. – 30.10.2026
Autorin: Dina Knorr | Bloggerin, Autorin & zertifizierte DWV-Wanderführerin®

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