„Laufsteg Osterfeld“ wird er genannt – der Osterfelder Rundwanderweg – der uns einmal um den gesamten Oberhausener Stadtteil Osterfeld herum führt. Wandern inmitten der Stadt klingt vielleicht zunächst etwas befremdlich, doch die Vielseitigkeit dieses innerstädtischen Rundweges überrascht mit immer wieder neuen Details.

Verschlungene, grüne Pfade ziehen sich durch Oberhausen – die Stadt, die auch Wiege der Ruhrindustrie genannt wird – und auf eine über 240-jährige Eisen- und Stahlherstellungstradition zurückblickt. Rauchende Schornsteine aus alten Zeiten gehören mittlerweile der Vergangenheit an; stattdessen entdecken wir auf dieser Tour liebevoll restaurierte Arbeitersiedlungen mit bezaubernd dekorierten Vorgärten und viel Heimatliebe. Im Kontrast dazu begleiten uns nebenher moderne architektonische Gebäude und wir wandern über zahlreiche beeindruckende Brückenkonstruktionen.

Wir treffen auf Historisches, auf Kulturelles und Künstlerisches, atmen sogar etwas Nordseeatmosphäre und sind unterwegs immer wieder von Natur umgeben, die sich wie ein grünes Band durch den Stadtteil windet.

Bergmannsampel Oberhausen
Bergmannsampel in Osterfeld

Tourfakten zum Osterfelder Rundwanderweg

Dauer: 4,0 – 5,0 Stunden

Länge: 15,6km

Höhenmeter: 56m

Familien-Check: für ausdauerfreudige Kinder geeignet; unterwegs gibt es zahlreiche Spielplätze zum Austoben und natürlich viel zu entdecken

Hunde-Check: Größtenteils Leinenpflicht entlang der Wege, dennoch auch mit Hund eine schöne Tour. Vor allem auf den Naturpfaden in der Stadt sowie entlang des Kanals bieten sich auch zwischendurch Möglichkeiten für etwas Freilauf oder Plansch-Einlagen.

Highlights: Revierpark Vonderort, Arbeitersiedlungen, Golfplatz Jacobi, Antoniepark, OLGA-Park, Marina Oberhausen, Burg Vondern und mehr…..

Wandern auf dem Osterfelder Rundwanderweg

Unsere Wanderung beginnt am Revierpark Vonderort. Hier bietet ein großer Parkplatz die Möglichkeit das Auto abzustellen und direkt zu starten. Praktischerweise besteht hier am Ende der Tour auch noch die Gelegenheit zu einer Einkehr im Waldhof. Wer nicht mit dem Auto fährt, erreicht den Revierpark ebenso ganz einfach mit dem Bus.

Wir entscheiden uns dafür, die Rundwanderung gegen den Uhrzeigersinn in Angriff zu nehmen und folgen der Wegkennzeichnung in Form eines Stiefels (dies ist auch die Form des Osterfelder Rundwanderwegs) zunächst ein Stück bergab durch den bewaldeten Revierpark.

Im Tal angekommen machen wir einen kleinen Rechts-Links-Schwenk und queren eine stillgelegte Eisenbahntrasse. Den Blick nach Links gewandt erkennen wir eines der Oberhausener Wahrzeichen – den Gasometer – dem wir uns im Verlauf der Tour noch nähern werden.

Kurz darauf liegt etwas links unterhalb des Weges die Quellfassung des „Alten Mühlenbachs„.

Osterfelder Rundwanderweg
stillgelegte Bahntrasse in Osterfeld mit Blick zum Gasometer

Idyllisch schlängelt er sich durch das urige Tal und bietet eine kleine Erfrischung für Füße und Pfoten. Dann folgen wir weiter dem Hauptweg und bald darauf wird die Umgebung städtischer.

Kolonie und Zeche Jacobi

Nun wird es Geschichtlich entlang des Osterfelder Rundwanderweges. Wir durchqueren die Jacobi-Kolonie mit ihren abwechslungsreich gestalteten, kleinen villenartigen Häusern, die zwischen 1912 und 1927 für die Betriebsbeamten der Zeche Jacobi erbaut wurde.

Das ehemalige Zechen- und Kokerei-Gelände selbst ist heute kaum noch wieder zu erkennen. Wo einst noch schwer „malocht“ wurde, wandern wir heute durch gepflegte „Greens“ und sehen rote Fähnchen im Wind flattern. Wir befinden uns mitten auf dem Volksgolfplatz Jacobi, durch den uns der Wanderweg hier geleitet.

Golfplatz Oberhausen
Golfclub Oberhausen

Der Name „Jacobi“ ist übrigens zurückzuführen auf Hugo Jacobi (1834-1917), einen gebürtigen Osterfelder, der sich als Montanindustrieller besonders hier in Oberhausen hervor getan hat. Das Abbild seines Großvaters Gottlob Jacobi (1770-1823) – der die Wiege der Ruhrindustrie signifikant mit geprägt hat – können wir ein paar Kilometer weiter im Antoniepark entdecken.

Antonypark Oberhausen
Antoniepark
Antonyhütte
Ehemaliges Kontor- und Wohnhaus des Hüttenleiters Gottlob Jacobi; heute Teil des Rheinischen Industriemuseums

Die St. Antony-Hütte

Bevor wir das Areal der St. Antony-Hütte erreichen, wandern wir auf grünen Pfaden durch das Stadtgebiet. Ein alter Ein-Mann-Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg, der als Schutz für das Wachpersonal, dass Zwangsarbeiter überwachte, diente und vor Bombenangriffen schützte, erinnert an die Schrecken dieser Zeit. Etwas später wandern wir an der geschlossenen Albert-Schweitzer-Schule vorbei, die einem Lost-Place gleicht.

Dann wird es wieder grün und parallel des Elpenbachs geht es zur St. Antony-Hütte. Urige Holzstege leiten uns entlang des Wassers, des hier zu einem malerischen Teich aufgestauten Baches. Bänke laden zur Pause ein und mit Blick auf den Springbrunnen nehmen wir uns Zeit für eine Rast und genießen die Aussicht.

Die St. Antony-Hütte war das erste Eisenwerk im Ruhrgebiet. Mit ihr ist das wichtigste stadthistorische Datum von Oberhausen verbunden – der 18. Oktober 1758, der Tag an dem zum ersten Mal Roheisen aus dem Hüttenwerk des Franz Ferdinand von Wenge floss.

Auf dem Gelände der ehemaligen Hütte können wir heute ein Museum, industriearchäologische Ausgrabungen der einstigen Produktionsanlagen der Eisenhütte, einen hübsch angelegten „Essgarten“ und für Kinder einen großen Spielplatz entdecken.

Antoniepark Oberhausen
Esskultur – Hochbeete zum Pflanzen und Ernten für Besucher

Es gibt viel zu bestaunen und so lassen wir uns Zeit, die vielen liebevollen Details zu erkunden, bevor wir den Osterfelder Rundwanderweg fortsetzen.

Künstlerischer Wohnflair in den einstigen Arbeitersiedlungen

Die nächsten Programmpunkte entlang des Osterfelder Rundwanderwegs sind die Siedlung Stemmersberg und Eisenheim. Mitten im „Großstadtdschungel“ treffen wir auf beinahe dörfliche Idylle und vor allem eins: Heimatliebe.

Stemmersberg Oberhausen
Heimatliebe in der Siedlung Stemmersberg

Wo die Ruhrpott- und Fußballflaggen im Winde wehen, bezaubern die restaurierten Wohnhäuser der Siedlung Stemmersberg im Vorbeiwandern. Sie wurde zwischen 1900 und 1906 durch die Gutehoffnungshütte erbaut.

Straßennamen wie „Gute Straße“ und „Hoffnungsstraße“ lassen unverkennbar auf den Ursprung der Siedlung schließen.

Bis nach Eisenheim durchwandern wir wieder grüne Wege inmitten von Parks und stellen bald darauf fest, dass sich ein Besuch der Siedlung Eisenheim schon bald allein für einen Tagesausflug eignet.

„Eisenheim“ schon allein der Name der Siedlung gehört unverkennbar zur Geschichte des Ruhrgebiets. Sie ist die älteste Arbeitersiedlung des Ruhrgebiets (entstanden 1846-1901) und zählt heute deutschlandweit zu den am besten erhaltenen Arbeitersiedlungen.

Hier erzählt jedes Haus eine Geschichte. Infotafeln an den Hauswänden berichten über die früheren Bewohner, ihre Liebe zur Taubenzucht, über Arbeit und Alltag sowie die Gestaltung und Aufteilung der Häuser.

Doch wer mit offenen Augen durch die charakteristische Siedlung schlendert, entdeckt noch vieles mehr. Zauberhaft dekorierte Vorgärten und Hinterhöfe, idyllische Plätze im Sonnenschein, eine Werkstatt für poetische Orte und kleine Kunstwerke.

Siedlung Eisenheim Oberhausen
Kunstwerke in Eisenheim
Siedlung Eisenheim Oberhausen
Hinterhof in der Siedlung Eisenheim

In diesen beinahe engen Straßen scheint die Zeit stillzustehen und so schlendern wir genüsslich dahin und sind erstaunt über die vielen hübschen Entdeckungen. Hier ist definitiv ein kleines Paradies entstanden; hier lebt die Vergangenheit in der Zukunft weiter.

Ein grüner Streifzug durch Oberhausen entlang des Rhein-Herne-Kanals

Nach dieser Entdeckungsreise durch die Siedlung Eisenheim wird es wieder grüner entlang des Osterfelder Rundwegs. Wir streifen kurz den OLGA-Park – das Gelände der ehemaligen Landesgartenschau und einstigen Zeche und Kokerei Osterfeld – und über eine lange Brückentrasse geht es zum Rhein-Herne-Kanal.

Osterfelder Rundwanderweg
Marina Oberhausen

Hier reiht sich jetzt eine wahre Brückenlandschaft aneinander. In luftiger Höhe überqueren wir die Autobahn A42 und die Emscher und nach einem Stück am Kanal entlang zieht es uns über die Tausendfüßlerbrücke in Richtung CentrO.

Auf Letzteres werfen wir nur einen kurzen Blick um wenig später vom Nordseeflair der Marina Oberhausen eingehüllt zu werden.

In passenderer Lage könnte sich das hier ansässige Sealife Oberhausen wohl nicht befinden.

In dem kleinen Hafenbecken liegt vom kleinen Motorsportboot bis zu schicken Yacht alles vor Anker.

Die Fähnchen der Boote klappern im Wind, das Wasser glitzert im Sonnenschein und Bänke laden wie gerufen zur nächsten Pause ein.

Wir nehmen Platz, genießen die warme Sonne und das maritime Flair und schauen den Bootseignern beim Werkeln an ihren Schiffchen zu, bevor wir den Weg wieder fortsetzen.

Zwischen dem Ufer des Rhein-Herne-Kanals und dem Gehölzgarten Ripshorst verläuft der Weg vorbei am Zauberlehrling – Oberhausens tanzendem Strommast – bis zur Waghalsbrücke auf Höhe des Haus Ripshorst.

Über die geschwungene Bogenbrücke gelangen wir wieder auf die andere Kanalseite und auch hier geht es über die nächste Brücke noch weiter über die Emscher.

Über die Brache Vondern zur Burg Vondern

Der Osterfelder Rundwanderweg geleitet uns jetzt über die Brache Vondern – das frühere Areal der gleichnamigen Zeche.

Das Gebiet zählt zum Emscher Landschaftspark sowie zur Route der Industriekultur und beherbergt alte und moderne Kunstinstallationen.

Ein steinerner Thron ist zu entdecken, ebenso ein roter Turm in einiger Entfernung am Rande der Fläche. Als Rastplätze dienen alte Mauerreste – Fundstücke der Zechen- und Kokerei-Ära. Wer hier etwas umher stöbert, wird viele interessante Details entdecken.

Die A42 unterqueren wir dieses Mal und können uns auf der anderen Seite die Mosaike eines Schülerprojekts von Guido Berndsen anschauen, die das Mauerwerk der Unterführung verzieren.

Zauberlehrling Oberhausen
Der Zauberlehrling im Gehölzgarten Ripshorst

Nur ein kurzes Wegstück trennt uns noch von dem nächsten Strecken-Highlight – der Burg Vondern. Vorbei an der Siedlung Vondern mit ihren alten Häusern und Villen sowie der „Verkaufsanstalt der Gutehoffnungshütte“ erreichen wir die malerische Burg, um die sich sogar eine Sage rankt: die Sage des „Wessel von Lohe“ .

Siedlung Vondern Oberhausen
Verkaufsanstalt der Gutehoffnungshütte
Burg Vondern Oberhausen
Burg Vondern

Die Geschichte der märchenhaften Burg mit ihren zauberhaften Türmchen, den blau-weißen Fensterläden, dem ritterlichen Burgtor, ihrem urigen Innenhof und dem herrschaftlichen Haupthaus reicht zurück bis ins 13. Jahrhundert. Dass es sich bei der Burg Vondern um eine ehemalige Wasserburg handelt, zeigen die umliegenden Wassergräben auch heute noch.

Stadtrundgang Osterfeld

Durch die Siedlung Vondern wandern wir nach der Burgbesichtigung weiter in Richtung „Osterfeld Stadtmitte“. Das im Renaissance-Stil erbaute Rathaus leuchtet uns entgegen und die Bergmännchen auf der Ampelanlage davor heißen uns in der Ortsmitte willkommen.

Ratshaus Osterfeld

Auch hier im Stadtteil erinnert vieles an die Bergbautradition der Stadt. Neben der St. Pankratiuskirche, der ältesten Pfarrkirche Oberhausens, steht eine ausgemusterte Lore.

In der Innenstadt ergattern wir ein Eis und betrachten die umliegenden geschichtlichen Zeugnisse am Marktplatz.

Zu guter Letzt umrunden wir noch die Gesamtschule Osterfeld – eine der größten Schulen Nordrhein-Westfalens. Bis zurück zum Revierpark ist es jetzt nicht mehr weit. Ein kurzes Stück verläuft der Wanderweg noch vorbei an einem modernen Neubaugebiet und so erreichen wir wieder den Rande des Revierparks und folgen den letzten Schildern zurück bis zum Ausgangspunkt.

Fazit zum Osterfelder Rundwanderweg

Der Osterfelder Rundwanderweg vereint Natur, Geschichte, Moderne, Kunst, Tradition und ein bisschen Abenteuer. Auch wenn wir abschnittsweise auf Bürgersteigen wandern, so schlängelt sich der Weg doch wie ein grünes Band rund um den Stadtteil. Es gibt auf dieser Tour so vieles zu entdecken, so viele Kleinigkeiten zu sehen und zu bestaunen, dass wir alles an einem Tag fast gar nicht verarbeiten können.

Deshalb lautet unser Fazit zu dieser Tour auch „absolut empfehlenswert“ – obwohl es sich hierbei nicht um eine klassische Wanderung durch Wald, Feld und Flur handelt, sondern um eine innerstädtische Runde.

Abwechslung pur ist hier garantiert und auch mit wanderfreudigen Kindern ist die Tour, die sinnvollerweise als Tagestour in Angriff genommen werden sollte, damit unterwegs genügend Zeit zum Verweilen und Staunen ist, ein Genuss. Alternativ kann die Tour auch prima mit dem Rad erkundet werden.

Der Bericht entstand aus Liebe zu unserer Heimatstadt, auch wenn wir mittlerweile in Bottrop wohnen. Alle Links führen euch zu weiteren tollen Infos und zu den Highlights am Wegesrand. Lasst euch überraschen und vielleicht findet sich auch in eurer Heimat so eine tolle Stadterkundungstour. Lasst es uns gern in den Kommentaren wissen.

Osterfelder Rundwanderweg
Wanderlustige Wanderblogger/innen

Hier gibts jetzt noch eine Bildergalerie, da ich unmöglich alle Bilder zwischen die Zeilen packen konnte, sowie den GPS-Track und noch ein paar weiterführende Links. Habts fein, bleibt gesund und wanderfreudig – eure Borderherzen!

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