Irgendwo zwischen Stadtgeschichte, Industriekultur und Lost Place

 

Knappenhalde
Weg auf die Knappenhalde

Die Knappenhalde ist mit 102m die höchste Erhebung im Oberhausener Stadtgebiet. Im Gegensatz zu den anderen Ruhrgebietshalden, die allein durch den Bergbau geprägt und entstanden sind, blickt die Knappenhalde auf eine interessante und vor allem lange Entstehungsgeschichte zurück. Bereits 1857 begann die Zeche Osterfeld hier die sogenannte „Berge“ – also Gestein, welches beim Herausholen der Kohle aus den Schächten anfällt, aufzuschütten. Die Gutehoffnungshütte entsorgte später die Schlacke aus ihren Hochöfen auf der Knappenhalde. In den Jahren 1943/44 wurde ein 500m langes Stollensystem mit 4 Zugängen in die Knappenhalde getrieben, um die Menschen vor Luftangriffen des zweiten Weltkriegs zu schützen. Nach dem Krieg bekam die Halde eine weitere Materialschicht oben drauf. Diese bestand aus rund einer Millionen Kubikmeter Trümmerschutt der zerstörten Häuser. 1950 wurde damit begonnen, die Halde zu begrünen und zu renaturieren und erst 1980 schließlich wurden Wege angelegt, um die Halde für Spaziergänge nutzbar zu machen.

 

Knappenhalde
Steinmosaike auf dem Haldenweg

Bei dieser bewegten Entstehungsgeschichte ist es nicht erstaunlich, dass die  Wanderung auf und um die Knappenhalde etwas Mystisches an sich hat. Die Natur wirkt verwunschen. Die Erdkruste reisst hier und da auf und die Geschichte der Halde kommt immer wieder zum Vorschein. Bäume und Totholz liegen kreuz und quer und das Areal wirkt besonders im Frühjahr gar unaufgeräumt. Ein strenger Geruch nach Fuchs steigt uns rund um den Gipfel in die Nase – ja vermutlich fühlt er sich hier wohl inmitten der Unordnung und des Gestrüpps, das sich hier oben frei ausbreitet.

 

Knappenhalde

 

Und auch wenn die Wege gepflegt sind, Sitzbänke zur Pause einladen und uns ein Aussichtsturm einen einzigartigen Blick über Oberhausen und die Nachbarstädte verschafft – den Eindruck, dass es sich bei der Knappenhalde um einen Lost Place der ganz besonderen Art handelt werden wir nicht los.

 

Kuriositäten oder Kunstwerke auf der Knappenhalde

Wer mit offenen Augen rund um die Knappenhalde streift wird so manches Interessantes, aber auch kurios erscheinendes entdecken. Die Steinmosaike in den Wegen sind dabei noch das Erklärbarste. Auf unserem Weg am Fuße der Halde entlang begegnen uns dagegen irgendwie unerklärliche Dinge – alte Betonfundamente auf die kleine Backsteingebäude aufgesetzt wurden, die wie winzige Kirchen aussehen, Metallplatten mit Gesichtern und Zwergenhäusern, die wirken, als hätten Außerirdische sie dort abgelegt, eine Art Metallskulptur, die auch der Überrest einer alten Hallenkonstruktion sein könnte und die völlig von Brombeergestrüpp umwuchert ist.

 

Knappenhalde
Fundstück am Wegesrand

Erklärende Hinweisschilder dazu gibt es nicht (jedenfalls haben wir keine gesehen) und wer noch nicht hier war und weiß, um was es sich bei den Kuriositäten handelt, bleibt erstaunt und nachdenklich zurück.

 

Die Wanderung auf und um die Knappenhalde ist lohnenswert, obwohl wenn es keine lange Tour ist. Und auch wenn es vielleicht gar nicht beabsichtigt ist, dass es hier so mystisch wirkt, dieser Umstand hat etwas – er macht die Halde einzigartig.

 

Einziger Wehrmutstropfen sind die vielen Verschmutzungen, die Glasscherben am Aussichtsturm und die Massen an Grünschnitt- und anderen Gartenabfällen auf der Rückseite der Halde im Bereich der Schrebergärten.

 

Knappenhalde
Entsorgung zwischen Schrebergärten und Knappenhalde – muss das sein?

Für alle, die gerne einmal auf und um die Knappenhalde wandern möchten und die Auflösung zu den Kuriositäten wissen möchten, die sollten jetzt weiterlesen!

 

Eine Wanderung auf und um die Knappenhalde

Gesamtstrecke: 2,7km

 

Höhenunterschied: 54m

 

Familien-Check: Familienfreundliche kurze Wanderung

 

Hunde-Check: Wasser ist nicht vorhanden, aber aufgrund der Länge/Kürze der Tour, sollte es auch mal ohne gehen. Ansonsten Trinkfläschchen mitnehmen. Achtung: Glasscherben am Aussichtsturm.

 

Highlights: Aussichtsturm, diverse kuriose Kunstobjekte

 

Knappenhalde
Aussichtsturm auf der Halde

Unsere Wanderung beginnt am Parkplatz bei den Schrebergärten am Ende der Wilhelm-Tell-Straße in Oberhausen (Sackgasse). Von hier führt der Weg ein kurzes Stück entlang der Bahngleise und dann rechts abbiegend hinter den Schrebergärten in Richtung Halde.

 

Aufwärts geht es zunächst über ein paar Treppenstufen und dann auf breitem Weg, dem wir ganz einfach immer rund um die Halde folgen, bis wir am Aussichtsturm ankommen. Von hier oben haben wir einen tollen Rundblick über ganz Oberhausen und Umgebung.

 

Knappenhalde
Blick auf den Gasometer und das CentrO bis zur Prosper Haniel Halde

Abwärts geht es erst wieder ein Stück entlang des Hinweges. An der ersten Weggabelung biegen wir rechts ab und wandern ein paar Treppenstufen hinunter (Achtung: ggf. rutschig). Wir gelangen an einen „Pilz“ an dem wir kurz Pause machen können und an dem wir uns unterstellen können falls es regnet.

 

Knappenhalde
Unterstand auf der Knappenhalde

Weiter geht es am Hang der Knappenhalde entlang und an der nächsten Weggabelung zweigen wir nach links ab und wandern nun gegen den Uhrzeigersinn um die Halde herum.

 

Hier begegnen uns die  „kleinen Backsteinkirchen“ die eigentlich das Kunstwerk „Industrietempel“ von Hannes Forster sind. Auf ehemalige Fundamente einer Lorenbahntrasse wurden die kleinen Tempel im neogotischen Stil erbaut.

 

Knappenhalde

 

Im weiteren Verlauf finden wir bei aufmerksamen Hingucken die „Außerirdischen Metallplatten mit den Gesichtern und die Zwergenhäuser“, eigentlich das  Kunstwerk „Eisenschaffende Industrie“ von Ernst Baumeister und Adolf Franken.

 

Knappenhalde
Zwergenhäuser aus Metall geschaffen

Kurz bevor wir wieder am Ausgangspunkt ankommen, fällt uns noch ein eingewachsenes Metallgerüst auf. Dabei handelt es sich um die Stahlskulptur „Durchblick“, die hier ihrem Namen leider nicht mehr gerecht wird, so zugewuchert wie sie ist. Gebaut hat sie der Mülheimer Künstler Kuno Lange.

 

Knappenhalde
Durchblick war einmal

Karte zur Tour auf Outdooractive / externer Link: Knappenhalde

 

Fazit zur Tour

Auf jeden Fall lohnenswert aufgrund der besonderen Atmosphäre. Wenn im Frühjahr bald alles grüner wird, wirkt es sicher wieder ganz anderes und vielleicht weniger „unaufgeräumt“.  Wir werden nachsehen gehen.

 

Knappenhalde

 

Bis bald und viel Spaß beim Erkunden der Knappenhalde.

Eure Dina

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